An diesem Tag gingen wir zum Strand hinunter. In den Dünen hingen frostige Nebelschleier und der Sand war fest gefroren. Emilia webte ihren schlanken Finger zwischen die Meinen und wir versanken im ruhelosen Rauschen der Ostsee. Wie wütend sie heute war, die See, nicht die Liebste. Welle an Welle peitschte sie gegen den Strand. Schäumend lösten sich die Brecher dann im feuchten Sand auf.

Ich hörte Emilias Schweigen zu und sie lauschte gebannt meinen ungesagten Worten. In ihren warmen braunen Augen ertrank ich stets, wenn ich mich ihrem jugendlich schimmernden Gesicht zuwandte und versuchte unbeholfen Gedanken in Worte zu fassen. Sie die Wunderbare, Unfehlbare. Sie war stets ohne jeden Tadel. Auch jetzt, wo der eisige Nordwind über unsere Köpfe tobte und an Ohren und Haaren riss, löste sich kein einziges Haar aus dem perfekten Knoten auf ihrem Kopf. Ihre Ohren glühten nicht, wie die meinen, auf ihren Wangen lag ein gesundes Rosa. Ihre Lippen bewegten sich langsam. Sie lächelte mich verlegen an und ich drückte ihre Finger sacht, als Zeichen meiner Zuneigung.

Der Wind riss jeden Laut von ihren schönen Lippen. Ich konnte ihn verstehen. Ich selbst hätte ihr sofort jedes Wort vom süssen Mund geküsst. Doch dafür war später noch Zeit. Jetzt war es daran bei ihr zu sein, an ihrer Seite die Gedanken zu teilen und der See zu lauschen. Und dann, wenn wir wieder daheim waren, würde ich ihren durchfrorenen Körper warm küssen. Selig lächelte ich sie an. Sie aber schaute verlegen in den Sand. Sie hatte wohl meine Gedanken erraten, die Liebste.


An diesem Tag gingen wir zum Strand. Wie so oft hingen Nebelfetzen über dem Dünengras. Es herrschte ein eisiger Frost. Ich hatte meine Hand mit der von Fridolin fest verknüpft. Ich wollte nicht, dass er mir fortlief und sich vielleicht in die tosende Ostsee stürzte, der Narr. Die blasse Sonne konnte uns nicht wärmen und warf nur ein jämmerliches Licht auf diesen Tag. Immer wieder sah ich zu Fridolin hinüber, wie der kalte Wind ihm das schwarze Haar zerzauste und ihm in die roten Ohren Biss. Doch er hielt das tapfer aus. Er sah mich an und lächelte. Jeder Versuch zu sprechen wurde vom Wind vereitelt. Doch ich konnte nicht länger schweigen. Ich hörte mein Herz in der Brust schlagen. In meinen Adern pulsierte das Blut. Ich versuchte ebenfalls zu lächeln. Wusste aber nicht, wie ich es sagen sollte. Fridolin, der armselige, wie einfältig er jetzt aussah. Wie er mich anschmachtete und alles nur noch schlimmer machte. Da konnte ich nicht mehr an mich halten und es brach aus mir heraus. Wie die Wellen der wilden See erzählte ich ihm eines ums andere, bis alles heraus war.

Er drückte mir verständnisvoll die Hand und lächelte behutsam. Er hatte es wohl geahnt. Ich aber konnte ihm nicht in die Augen sehen. Unter meinen Füssen brachen sich gefrorene Sandschollen und über uns kreischten die Möwen.

Wir gingen noch einige Minuten schweigend nebeneinander her. Dann kam der erlösende Strandaufgang in Sicht. Auf den sandigen Holzbohlen löste ich meine Hand aus seiner und verliess ihn für immer.